Die Schnelligkeit der Behörden und die Ausbildungsmöglichkeiten führen zu zahlreichen Betriebsansiedelungen und Investitionen. In den vergangenen Monaten sind so neue hunderte Arbeitsplätze in der Steiermark entstanden. Landeshauptmann setzt auf das „Land der Talente.“

Bei den steirischen Unternehmen ist in den letzten Wochen und Monaten kein Stein auf dem anderen geblieben. Man hat das Gefühl, es wurde in der ganzen Steiermark geplant, gebaut und eröffnet. Dass das Gefühl nicht trügt, bestätigte unlängst auch die steirische Industriellenvereinigung (IV). Sie präsentierte eine Studie der Experten von Joanneum Research, der zufolge die steirische Industrie im vergangenen Jahr 3,6 Milliarden Euro investiert hat. Das ist mehr als in jedem anderen Jahr und damit ein neuer Investitionsrekord. „In der Steiermark entsteht die Zukunft“, bringt Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer die aktuelle Entwicklung auf den Punkt.

Bemerkenswert an der Studie der IV ist, dass die hohe Investitionsdynamik über alle Branchen hinweg reicht und dass mit 896 Millionen Euro das höchste Volumen die Elektro- und Elektronikindustrie aufwies. Dafür mit ein Grund ist sicher auch die Initiative zur Gründung der Silicon Austria Labs, einem Forschungszentrum für Mikroelektronik. Die Mikroelektronik ist eine Schlüsseltechnologie der Digitalisierung. Rund 80 Prozent der österreichweiten Wertschöpfung in diesem Bereich werden in der Steiermark und Kärnten erwirtschaftet. Dieses internationale Spitzenforschungsinstitut hat sein Hauptquartier in Graz aufgeschlagen. Damit sind in der Steiermark 210 Arbeitsplätze in diesem Zukunftsbereich entstanden. „Wir können die Mikroelektronik, die bereits jetzt ein steirisches Stärkefeld mit innovativen Leitbetrieben ist, weiter ausbauen und international sichtbar machen“, zeigte sich Wirtschaftslandesrätin Eibinger-Miedl angesichts der Gründung im Sommer letzten Jahres zufrieden.

Aber nicht nur in der Elektronik, auch in der traditionell für die Steiermark bedeutenden Stahlindustrie kann das Land einen historischen Erfolg verbuchen: In Kapfenberg entsteht erstmals seit 40 Jahren in Europa ein neues Stahlwerk. Dafür investiert die voestalpine insgesamt rund 350 Millionen Euro und sichert damit 3.000 Arbeitsplätze in der Region. Kein Wunder also, dass Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer beim Spatenstich von einem „echten Freudentag für die gesamte Steiermark“ gesprochen hat. Er erinnere sich noch gut an die 1980er-Jahre, als mit der Krise der verstaatlichten Industrie eine ganze Region zur Krisenregion wurde und „heute ist die Steiermark ein Land der Hochtechnologie, ein Land der Forschung und der Wissenschaft, die Heimat von pulsierenden und innovativen Unternehmen, deren Produkte in die ganze Welt verkauft werden“, so Schützenhöfer.

Lob gab es beim Spatenstich des neuen Edelstahlwerkes von voestalpine-Vorstand Franz Rotter auch für das Land Steiermark und die Bezirkshauptmannschaft, denn diese hätten im Zuge der Vorarbeiten hervorragende Arbeit geleistet. „Wir haben erst vor eineinhalb Jahren begonnen, konkret über dieses Projekt hier in Kapfenberg zu reden, nun wird bereits gebaut“, lobte Rotter die Bewilligungsverfahren.

©steiermark.at/Streibl

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Kurze Verfahrensdauer und die hervorragende Ausbildung in der Steiermark waren auch ausschlaggebend für den jüngsten Coup des Landes: In Graz entsteht ein Cybersecurity-Campus, eine millionenschwere Kooperation von TU Graz und SGS, einem der größten IT-Sicherheitsspezialisten, die 400 neue Arbeitsplätze schafft. Im Vorfeld hat SGS verschiedene europäische Universitäten in Betracht gezogen, letztendlich habe man sich aber für die Steiermark entschieden. Entscheidend sei die bereits bestehende engen Vernetzung zwischen Forschung und Wirtschaft, aber die rasche und einfache behördliche Abwicklung in der Steiermark gewesen, so CEO Frankie Ng und Martin Schaffer von SGS, die sich herzlich beim Land Steiermark für die Zusammenarbeit bedankten. Von der Grundlagenforschung über die universitäre Lehre bis hin zur Zertifizierung werden am Cybersecurity-Campus vielfältige Bereiche gebündelt, um nachhaltige Sicherheitslösungen zu entwickeln. So entsteht ein einzigartiges Umfeld für Forschung und industrielle Anwendung.

„Die Steiermark ist erfolgreich, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern weiterhin für neue Arbeitsplätze sorgen“, gibt der Landeshauptmann die Marschrichtung vor. Ende Jänner hat Schützenhöfer mit seiner Volkspartei das Motto „Land der Talente“ ausgegeben (siehe Interview). Mit diesem Schwerpunkt will er gemeinsam mit seinem Team, die Bemühungen in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Wissenschaft und Forschung verstärken. Ziel sei es, weiterhin das Innovationsland Nummer eins zu bleiben, denn damit würden die Arbeitsplätze der Zukunft in der Steiermark geschaffen.

Konkret geht es bei den Plänen der Volkspartei um eine umfassende Agenda, die das Land auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Dazu zählt der Ausbau der Kinderbildungs- und Betreuungsinfrastruktur, also Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, genauso wie die Breitbandinitiative, die die Steiermark flächendeckend mit schnellem Internet versorgen soll.

Darüber hinaus möchte Schützenhöfer, der ja selbst eine Lehre absolviert hat, für junge Menschen die Lehre attraktiver gestalten. „Die ganze Welt beneidet uns um unsere hervorragenden Lehrlinge. Die duale Ausbildung in Berufsschule und Unternehmen ist ein Erfolgsrezept, um das uns viele Länder beneiden“, weiß der Landeshauptmann zu berichten, „Karriere mit Lehre“ sei kein Werbeslogan, sondern Realität.

3 Fragen an den Landeshauptmann

Was steckt hinter dem Motto „Land der Talente“?
Wir haben in der Steiermark keine besonderen Bodenschätze. Aber wir haben unglaublich viele helle Köpfe- Das ist, wenn man es so will, der Rohstoff aus dem die Zukunft gemacht wird. Daher will ich die Talente und Potentiale, die in unserem Land und insbesondere in unserer Jugend stecken entsprechend fördern.

Wie wollen Sie diese Talente fördern?
Wir investieren im ganzen Land in die Bildungsinfrastruktur. Von den Kinderkrippen über die Schulen und die Ausbildungseinrichtungen bis hin zu den Hochschulen. Im „Land der Talente“ soll es die besten Rahmenbedingungen geben, sodass „Ausgebildet in der Steiermark“ ein internationales Gütesiegel wird.

Warum ist Ihnen das so ein großes Anliegen?
Weil wir als Steiermark nur dann im globalen Wettbewerb bestehen können, wenn wir innovativ und gut ausbildet sind. Wir sehen es ja jetzt schon: Die Unternehmen kommen, weil die Steirer gut ausgebildet und schlaue Leute sind und nicht, weil ihre Arbeitskraft so billig ist.

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