Mensch, Hermann

Geschichten und Bilder aus dem Leben von Hermann Schützenhöfer

Geb. am 29.02.1952 in Edlitz

Alle vier Jahre

Streng genommen konnte Hermann Schützenhöfer in seinem Leben erst 14 Geburtstage feiern. Diese scheinbare Jugend verdankt er seinem Geburtsdatum: dem 29. Februar 1952. Weil seine Eltern voller Sorge waren, der kleine Hermann würde an einem Herzfehler leiden, empfing er gleich nach der Geburt die Nottaufe. Die Angst hatte einen tragischen Grund: Ein Bruder war an einem Herzfehler gestorben. Zum Glück aber war Hermann gesund und er konnte schon wenig später „richtig“ getauft werden. Hermann hat einen Bruder und eine Schwester. Seine Eltern waren echte Steirer. Der Vater aus Pinggau, die Mutter aus St. Margarethen bei Lebring. Geboren wurde Hermann im niederösterreichischen Edlitz, nahe der heutigen Südautobahn. Dort führte sein Vater die Landwirtschaft der örtlichen Pfarre.

» Die herzensgute Mutter und der Vater, der immer mein Vorbild bleiben wird: Meinen Eltern werde ich Zeit meines Lebens dankbar sein. «

Das Gefühl der Ohnmacht

Die Landwirtschaft, die von der Familie Schützenhöfer betreut wurde, musste die Pfarre Edlitz nach einiger Zeit aufgeben. Der Vater fand zum Glück gleich eine neue Stelle bei einer großen Baufirma. Das hieß aber, jeden Sonntagabend nach Wien zu fahren und erst am Freitagmittag zurückzukommen. Die Entlohnung war hart verdient. Der Vater war unter der Woche weit weg. Eines Tages war alles anders. Der Vater kam heim wie immer. Er öffnete sein Lohnsackerl und sagte mit tonloser Stimme, dass er entlassen worden sei. Der Grund: Er hat sich geweigert, der sozialistischen Gewerkschaft Bau-Holz beizutreten. Hermann wurde noch am selben Abend klar, dass man Ungerechtigkeiten nur dann beseitigen kann, wenn man sich engagiert. Der Vater wurde glücklicherweise wenige Wochen später wieder eingestellt. Und Hermann hatte eine Erfahrung gemacht, die ihn bis heute prägt.

Wenn Ministranten Zigaretten stibitzen…

Nachdem die Familie Schützenhöfer lange im Pfarrhof wohnte, war es gar keine Frage, dass der kleine Hermann so bald als möglich Ministrant wurde. Dem Bild des braven Buben im damals noch roten Gewand entsprach er aber so gar nicht. So schnell konnte der Pfarrer gar nicht schauen, da waren seine Zigaretten auch schon weg. Er hatte die Schachtel bei der Pfarrersköchin hinterlegt, um nicht so oft in Versuchung zu kommen. Damit wurden sie aber zur leichten Beute für den frechen Hermann, der von den größeren Ministranten dazu angestachelt wurde. Die Tat wurde entdeckt und Hermann bekam Hausverbot.

…und Christbäume

Den Christbaum für den Kaplan holzte der praktische Hermann beim Bauern nebenan ab, statt im weit entfernten und verschneiten Wald der Pfarre. Die Lacher hatte er auf seiner Seite. Aber den Posten als Oberministrant war er kurzfristig los.

» Ich habe als Schüler jahrelang jeden Tag noch vor der Schule Brot und Semmeln im Korb zu den Kaufhäusern ausgetragen. Dafür hab ich in der Woche fünf Schilling bekommen. «

1967-1970 kaufm. Lehre in Kirchbach

Sonntag ist Feiertag

1966 zog die Familie Schützenhöfer wieder zurück in die alte steirische Heimat. In Kirchbach wurde das alte Haus umgebaut und Hermann, der noch in Edlitz die Hauptschule abgeschlossen hatte, besuchte dort das neu geschaffene Polytechnische Jahr. Die Lehrer waren aufmerksam genug, sein Redetalent zu entdecken und zu fördern. Eine höhere Schule in der Bezirkshauptstadt zu besuchen, blieb ihm verwehrt. Und so lernte er Kaufmann im Kaufhaus Marbler. Jeden ersten Sonntag im Monat war das Kaufhaus geöffnet. Und weil in der Kirche mehrere Messen hintereinander stattfanden, verkaufte Hermann an einem Vormittag mehr, als an einigen Wochentagen zusammen. Erfreulicherweise waren die Kunden am Sonntag auch viel spendabler, was das Trinkgeld betraf.

» Am ersten Sonntag des Monats steckte mir der Chef – wenn das Geschäft gut ging – meistens einen Zwanziger zu. Das war sehr viel Geld damals bei einer Lehrlingsentschädigung von 300 Schilling im Monat. «

Der junge Reporter

Träume können oft Antrieb sein. Hermann träumte als junger Lehrling von einem Auto. Was er hatte, war Talent zum Schreiben und Reden. Was ihm fehlte, war Geld. Da traf es sich gut, dass die Kleine Zeitung per Inserat einen Lokalberichterstatter suchte. Trotz seiner Jugend und nach Wochen des Wartens bekam er die Zusage, weil sich sonst niemand gemeldet hatte. Am Anfang waren es immer nur ein paar Zeilen, die von ihm gedruckt wurden. Er bot seine Berichte aber auch anderen Zeitungen an und hatte bald einiges zusammengespart. Einmal wurde sogar ein von ihm geschossenes Foto veröffentlicht, was dem Börserl auch sehr gut tat. Am Ende hatte er jede Menge Erfahrungen gesammelt. Und sogar genügend Geld, um einem Lehrer um 10.000 Schilling ein Auto abzukaufen: einen VW Baujahr 1957. Nicht das neueste Auto, aber für Hermann damals das beste der Welt.

1976 – 1979 Landesobmann der Jungen ÖVP Steiermark

Fensterln als Karrierechance

Der junge Hermann war vom Schreiben und Recherchieren fasziniert. Zufällig fand er bei seiner Schwester eine Ausgabe des „Orizont“, einer Zeitung der Jungen ÖVP. Auch hier wurden Nachwuchs-Journalisten gesucht. Hermann meldete sich, wurde eingeladen und fand sich beim Gespräch von einer Schar selbstbewusster, angehender Akademiker umgeben, die ihn nicht ganz ernst zu nehmen schienen. Man beschloss, den jungen Mann vom Land über das Fensterln schreiben zu lassen. Hermann empfand das nicht als Schmach, sondern als Chance und lieferte – mit Hilfe seiner Freunde von der Landjugend – eine ganzseitige Reportage, die viele positive Reaktionen auslöste. So ist das Fensterln zum Türöffner in die Politik geworden.

fens|terln [alte Trennung …/st…] (südd., österr. für ans Fenster klopfen; in älteren Volksbräuchen: die Geliebte nachts [am od. durchs Fenster] besuchen); ich fensterle, du fensterlst, er fensterlt; er hat gefensterlt

Hochzeit in Pöllauberg

Es gab eine Zeit, da ging Hermann noch lieber ins Büro der Jungen ÖVP als sonst. Der Grund war Marianne, die dort als Mitarbeiterin im Sekretariat arbeitete und mit der sich Hermann sehr gut verstand. Aus dem guten Verstehen wurde die große Liebe. Heute ist er mit Marianne glücklich verheiratet. Die Hochzeit wurde 1979 am Pöllauberg gefeiert. Mit den Kindern Thomas und Elisabeth wurde das Familien glück schnell komplett. Wenn es der volle Kalender erlaubt, fahren Hermann und Marianne gerne nach Venedig.

» Wir haben viel Glück im Leben gehabt. «

1994 – 2000  Klubobmann des Landtagsklubs der Steirischen Volkspartei

Starker rechter Fuß

Nicht nur mit Worten konnte Schützi, wie er von seinen Freunden genannt wird, seit seiner Jugend gut umgehen. Auch der Ball hat meistens das gemacht, was Schützi wollte. Auch wenn es nicht zur Bundesliga gereicht hat: Beim SV Union TuS Kirchbach war man froh, mit ihm einen soliden Mann für die rechte Seite zu haben. Sowohl offensiv als auch defensiv sorgte er mit seinem Kampfgeist für Respekt bei den Gegnern. Das hat ihm seinen Stammplatz in der Jugendmannschaft gesichert. Wenn er heute zum Fußball geht, dann als glühender Fan des SK Sturm Graz. Sturm ist für ihn nicht einfach nur ein Fußballverein, sondern eine Lebenshaltung.

» Mein Chef hat mir fürs Training immer freigegeben. Zweimal die Woche haben wir trainiert und am Wochenende gespielt. «

2005 – 2015 Erster LH-Stv.

Die Reformpartnerschaft 

Nach der Landtagswahl 2010 verständigte sich Hermann Schützenhöfer mit Franz Voves darauf, dass die Zeit des Streites ein Ende haben muss. Es war der Beginn der Reformpartnerschaft. Die beiden stellten die Interessen des Landes bedingungslos in den Vordergrund, denn wichtig ist nicht, was den Parteien nützt, richtig ist was dem Land, der Steiermark nützt. In diesen fünf Jahren wurden Gemeinden und Bezirke fusioniert, so entstanden regionale Zentren, die fit sind für die Herausforderungen der Zukunft. Gleichzeitig verkleinerten die Reformpartner Landtag und Landesregierung. Auch die Parteienförderung wurde gekürzt, die Politik sollte mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es gilt, im Land umfassende Reformvorhaben umzusetzen. Es war eine herausfordernde Periode, vermutlich die schwierigste in Hermanns bisherigen politischen Tätigkeit. Die Erfahrungen in der Reformpartnerschaft und auch jetzt in der „Zukunftspartnerschaft“ zeigen aber, dass Vieles, was vor ein paar Jahren noch heftig umstritten war, mittlerweile auch die Gegner überzeugt hat. Vieles, wogegen heftigst protestiert wurde, wird heute mit großer Mehrheit akzeptiert.

» Wir haben in der steirischen Politik den Weg des Miteinanders eingeschlgen, es ist der Weg in Richtung Zukunft. «

Hoch am Dachstein

„Hoch vom Dachstein an …“ singt Hermann Schützenhöfer mehrmals pro Woche. Die Landeshymne gehört nicht nur berufsbedingt zu seinen meistgesungenen Liedern. Seit dem Sommer 2009 weckt diese Textzeile eine ganz besondere Erinnerung: seine Erstbesteigung des Dachsteingipfels. Gemeinsam mit seinem Sohn Thomas und einigen Freunden machte sich der leidenschaftliche Wanderer auf, um dem höchsten Steirer die Ehre zu erweisen. Ein eindrucksvolles Erlebnis, das nicht nur viel Kraft erforderte, sondern auch wunderbare Aussichten bot.

» Wenn man vom Gipfel ins Tal schaut, wird einem die Relation wieder klar: was wirklich wichtig ist – und was nur wichtig scheint. «

seit 2015 Landeshauptmann der Steiermark

»Landeshauptmann der Steiermark zu sein, ist ein große Freude, und ich hoffe, dass man am Ende meiner Zeit als Landeshauptmann sagt „Er war ein Landeshauptmann für alle Steirer.“ «