Koordinierungsstelle hilft bei außergewöhnlich belastenden Ereignissen

Graz (10. Mai 2019).- Im Weißen Saal der Grazer Burg standen gestern Abend (9.05.2019) ehrenamtliche Akutbetreuerinnen und Akutbetreuer des Kriseninterventionsteams (KIT) des Landes Steiermark bei einem Festakt ganz im Mittelpunkt, zu dem Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der Koordinierungsstelle geladen haben.

LH Schützenhöfer unterstrich in seinen Begrüßungsworten: „Mein besonderer Dank gilt den unzähligen freiwilligen Helfern, die den Mut und die Menschlichkeit haben, Mitmenschen nach einem außergewöhnlichen belastenden Ereignis zu helfen. Das ist ein Dienst, der alles abverlangt, der die Grenzen der Belastbarkeit ständig auslotet, der üblicher Weise, weil er auch so persönlich und zwischenmenschlich abläuft, still und leise passiert. Sie heute vor den Vorhang zu holen, ist mir als Landeshauptmann ein Bedürfnis. Weiterer Dank gilt aber auch allen, die beim Aufbau dieser unverzichtbaren und menschlich so ungemein wertvollen Einrichtung ihren Anteil hatten und jetzt noch haben, allen voran der ehemaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und dem Leitungsteam Katharina Purtscher-Penz, Edwin Benko sowie Cornelia Forstner.“

LH-Stv. Michael Schickhofer ergänzt: „Die Arbeit des Kriseninterventionsteams ist unschätzbar wichtig. Leider kommen Menschen immer wieder inAusnahmesituationen, die von Polizei, Feuerwehr oder Rettung alleine nicht zu bewältigen sind. Schicksalsschläge lassen bei Betroffenen das Gefühl der Hilflosigkeit zurück. In solchen Situationen stehen die hervorragend geschulten Männer und Frauen des Kriseninterventionsteams mit Rat und Tat zur Seite. Ich danke allen, dass sie diesen ehrenamtlichen Auftrag angenommen haben und ihren Mitmenschen in schwierigen Situationen als Ansprechpartner zur Seite stehen.“

Im Leben läuft alles ganz normal, plötzlich ist alles anders: Ein unerwarteter Todesfall, ein schwerer Unfall, ein existenzbedrohender Brand oder eine Naturkatastrophe, Menschen verlieren von einer Sekunde auf die andere den Boden unter den Füßen, wissen momentan nicht, wie es weitergehen soll. In diesen ausweglos scheinenden Situationen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KIT-Teams unaufdringlich da, haben Zeit, bieten psychosoziale Unterstützung an und sorgen dafür, dass niemand alleine ist und das familiäre Netze die Hinterbliebenen und Betroffenen auffangen. Die nunmehr 405 einsatzbereiten, ehrenamtlichen Akutbetreuerinnen und Akutbetreuer, bestehend aus psychosozialen Fachkräften und erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Einsatzorganisationen mit
Kriseninterventionsausbildung, unterstützen die Menschen in Krisensituationen. „Ich wünschte mir, dass es uns nicht mehr brauchen würde. Jedoch wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass der Tod zum Leben dazugehört. Die kleinen und großen Katastrophen werden leider auch in Zukunft stattfinden und so wünsche ich mir weiterhin so viele hochqualifizierte Menschen, wie ihr sie seid, die sich für dieses besondere Ehrenamt zur Verfügung stellen. Uns bleibt es im Einsatz nahezu immer verwehrt, einen ‚Erfolg’ im Sinne des Überlebens, zu erfahren. Doch wir sind für die Lebenden da. Dieser Leitsatz prägt unsere Tätigkeit im Anerkennen des unwiederbringbaren Verlustes“, betont Edwin Benko.

Zur Entstehungsgeschichte:
Landeshauptmann a.D. Waltraud Klasnic holte 1998 die heutige wissenschaftliche Leiterin, Katharina Purtscher-Penz nach Lassing, um die betroffenen Familien und vor allem die Kinder zu unterstützen. Als Reaktion auf das Grubenunglück in Lassing (1998) hat das Land Steiermark als erstes Bundesland die psychosoziale Akutbetreuung im Steiermärkischen Katastrophenschutzgesetz vom 16. März 1999 verankert und die Organisation KIT-Land Steiermark direkt beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung angesiedelt und aufgebaut. Die Dienste des Kriseninterventionsteams Land Steiermark werden durchgehend 24 Stunden/Tag unentgeltlich angeboten. Im Schnitt gibt es täglich ein bis zwei Einsätze. Im vergangenen Jahr gab es 613.

Beim Festakt wurden neben dem Vortrag „Mit(einander)gehen: Wie helfen in Krisen- und Alltagssituationen gelingen kann“ von Sonja Rinofner-Kreidl, Leiterin des Arbeitsbereiches Phänomenologie an der Universität Graz, auch acht ehrenamtliche, ehemalige Teammitglieder für ihren langjährigen Einsatz gedankt.

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